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Gemeiner Trickbetrug durch den Enkeltrick

Rentner hält sein Sparschwein fest - junge Arme greifen danach - Symbolbild Ekeltrick

In den letzten 10 bis 20 Jahren wurde in den Medien immer wieder vom sogenannten Enkeltrick berichtet. Einzeltäter, Duos oder sogar ganze Banden täuschen und betrügen ältere Menschen, gaukeln ihnen etwas vor und erleichtern sie so um viele Tausend Euro. Diese Betrugsmasche hat sich leider immer weiter entwickelt, da sie für viele Kriminelle offenbar äußerst lukrativ und vor allem effektiv ist.

Wie gehen Trickbetrüger und Gauner vor?

Der Enkeltrickbetrug basiert darauf, dass Menschen im Rentenalter einerseits vergesslich sind und andererseits leichter zu manipulieren. Dies gilt natürlich nicht immer, aber gerade Menschen jenseits der 80 reagieren oft überrascht und vertrauensselig, wenn sie glauben – oder glauben wollen – einen alten Bekannten oder Angehörigen zu treffen.

Die Täter besitzen nicht selten ein gutes bis sehr gut ausgeprägtes schauspielerisches Talent und gehen ihr Opfer freundlich, aber auch sehr direkt und selbstsicher an. Dabei handelt es sich meistens um die Vorgabe, ein entfernt wohnender Enkel oder eine Nichte bzw. Neffe zu sein. Dem Geschädigten wird suggeriert, dass man sich zwar kennt, aber lange nicht gesehen hätte.

Über ein Gespräch auf der Straße oder per Telefon wird versucht, eine Vertrauensbasis aufzubauen und durch Sympathie und Humor nähere persönliche Informationen zu erhalten. Mit diesen arbeitet der Betrüger oder die Betrügerin und verstrickt das Opfer mit der Zeit in ein Abhängigkeitsverhältnis, besser formuliert – erzeugt der Täter Mitgefühl und ein gewisses Verantwortungsempfinden seitens des älteren Menschen.

Ein besonders krasses Fallbeispiel des Enkeltricks

In der Kriminalsendung „Aktenzeichen XY – ungelöst“ wurde mehrfach bis ins Jahr 2016 über die perfide Betrugsmasche berichtet. Besondere Medienpräsenz erhielt das Thema hinsichtlich des sogenannten Erfinders des Enkeltricks Arkadiusz “Hoss” Lakatosz.

Der in Polen lebende Kopf einer Roma-Familie und sein Sohn Marcin „Lolli“ Lakatosz , hatten seit Anfang der 2000er Jahre in Deutschland ein Netz von Komplizen aufgebaut und systematisch ältere Menschen um ihr Erspartes betrogen. Zunächst operierte er direkt in Deutschland, nach einer Verhaftung 2014 in Warschau, ist er untergetaucht.

Die Masche:

  1. Opfer über das Telefonbuch entdecken
  2. Kontakt herstellen
  3. Vertrauen aufbauen
  4. Druck ausüben
  5. Geldübergabe planen und durchführen
  6. Geld in Sicherheit bringen

Im Telefonbuch ausgesuchte  Zufallsopfer mit  Namen wie Erna oder Gottlieb ließen vermuten, dass es sich um Rentnerinnen und Rentner handelt. Man setzte sie unter Druck, bis sie schließlich Bereitschaft zeigten, das Geld abzuheben und an den Täter auszuhändigen. Beim Übergabetermin wurde das Geld abgeholt, in manchen Fällen sogar nach weiterem Bargeld gefragt, um anschließend die Beute an einen weiteren Hintermann zu übergeben, der dieses dann auf direktem Wege nach Polen transportiert hat.

Seniorin steht mit vielen 500 Euro Scheinen in der Haustür

Wie kann ich mich vor Trickbetrug schützen – was sagt mir mein Bauchgefühl?

Der wichtigste Tipp der Polizei ist ein gesundes Maß an Misstrauen. Sie müssen sich nicht schlecht fühlen, weil sie an einer Person zweifeln und sich ggf. überhaupt nicht mehr an sie erinnern können. Es ist für die meisten Menschen merkwürdig, wenn sich jemand am Telefon nicht mit Namen vorstellt; Enkeltrickbetrüger melden sich oft mit Phrasen wie: „Rate mal, wer hier spricht?“ oder „Hallo Omi, lange nichts von dir gehört.“

Wer solch einen Anruf erhält, kann entweder sofort auflegen – spätestens, wenn eine Aufforderung Geld zu zahlen ausgesprochen wird, oder aber versuchen, die Identität des Anrufers zu erfragen. Es wird dringend davon abgeraten, familiäre Informationen preiszugeben, Wissen zu äußern, dass eigentlich nur ein Familienmitglied liefern könnte.

Sollte ein Anrufer vorgeben, ein ihnen persönlich bekannter Mensch zu sein, überprüfen sie das, um den Trickbetrug auszuschließen. Rufen sie diesen unter der ihnen bekannten Nummer zurück, um sich zu vergewissern, dass es sich wirklich um den Enkel Max oder die Enkelin Elisa gehandelt hat oder eine Fremde bzw. ein Fremder sich dieser Namen nur bedient hat.

Alarmzeichen:

  • Anrufer nennen ihre Namen nicht
  • es wird sehr schnell eine dringliche Notlage geschildert
  • die erfordert, größere Summen Geld zu zahlen
  • häufige Anrufe erfolgen und bauen Druck auf
  • die Seniorin oder der Senior wird dazu aufgefordert, schnellstmöglich zur Bank zu gehen, auch Schmuck und Wertgegenstände werden akzeptiert
  • ein Bote oder Kurier soll das Geld abholen

Ratschläge, um nicht Opfer vom Enkeltrick zu werden

Wie der Fall des Lakatosz-Clans gezeigt hat, arbeiten manche Betrüger wie eine Mafia und sind deutschlandweit in größeren Städten wie Köln, Hamburg, Berlin oder München vernetzt. Das bedeutet, die Gefahr Opfer von Trickbetrug zu werden besteht nahezu überall. Um sicher zu gehen, dass die Person am anderen Ende der Leitung tatsächlich ein Verwandter ist, können Fangfragen gestellt werden.

Gibt sich die Person als Enkelkind aus, sollte es wissen, wie die Namen der eigenen Eltern lauten. Auch die Frage nach anderen Verwandten bietet sich beiläufig im Gespräch an. Wenn der angerufene Senior beispielsweise fragt, wie es dem Onkel Arnold aktuell so gehe, der bereits seit fünf Jahren tot ist, enttarnt sich ein Betrüger schnell. Dieser kann den Umstand des Todes nicht wissen und antwortet eventuell gutgläubig, dass es diesem gut gehe.

Wenn sie sich sicher sind, es mit einem Betrüger zu tun zu haben, weihen sie die Polizei ein. Niemals sollten sich Senioren in unnötige Gefahr begeben. Aber wenn sie den Kriminellen das Handwerk legen und der Polizei beim Aufspüren der Quelle behilflich sein wollen, können sie ein bereits vereinbartes Geldübergabetreffen von Beamten absichern lassen, die während der Übergabe einschreiten und den Täter sozusagen auf frischer Tat ertappen. Lassen sie Fremde jedoch niemals in ihre Wohnung.

Sollten sie bereits Opfer des Enkeltricks geworden sein, ist dies nicht nur ärgerlich und kann je nach Höhe des gezahlten Betrages existenzbedrohend sein, sondern führt auch oft zu großer Scham. Diese muss überwunden werden, kein Ermittler wird ihnen vorwerfen unvorsichtig gewesen und auf den Trickbetrug hereingefallen zu sein. Eine Anzeige bietet ihnen nicht nur die Möglichkeit, das Geld oder den Schmuck zurückzuerhalten, sondern kann helfen, die Täter zu ergreifen und andere Menschen vor ihnen zu schützen.

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