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Welche Themen man nicht verdrängen sollte

Junge Frau und Seniorin im Gespräch

Patientenverfügung und Testament: Themen, die man nicht verdrängen sollte

Über manche Dinge denken wir Menschen einfach nicht gerne nach. Doch wenn dadurch unangenehme Aufgaben bis zum letzten Moment verdrängt werden, kann das schwere Konsequenzen haben. Das gilt besonders für die Themen Pflege und Pflegebedürftigkeit, Patientenverfügung und Testament.

Wie aus einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach hervorgeht, haben die meisten in Deutschland Lebenden ab 16 Jahren schon einmal von einer Patientenverfügung gehört. Doch gerade einmal 28 Prozent von rund 1500 Befragten besitzen tatsächlich eine Patientenverfügung. Der Großteil, nämlich 45 Prozent, plant stattdessen nur, eine Patientenverfügung anzulegen.

Diese Ergebnisse zeigen, dass sich die meisten zwar der Bedeutung eines solchen Formulars bewusst sind, dieses Wissen und vor allem den Umgang damit aber verdrängen. Das Aufsetzen wird immer wieder aufgeschoben. Ganz ähnlich sieht es auch für das Erstellen eines Testaments oder das Abschließen eines Erbvertrages aus. Verwunderlich ist dieses Verhalten nicht. Wer mitten im Leben steht, vermeidet es von Natur aus, an den Tod und das Sterben zu denken.

Dennoch sollten wir uns mit entsprechenden Maßnahmen zur Vorsorge befassen. Immerhin geht es um unseren persönlichen Willen: Wie und wo will ich sterben? Wer entscheidet für mich, wenn ich es nicht mehr kann? Was passiert mit dem, was ich hinterlasse?

Wozu Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht aufsetzen?

Arzt mit Tafel mit der Aufschrift Patientenverfügung

Es kann ganz plötzlich geschehen, es kann das Ergebnis eines längeren Prozesses sein, es kann jederzeit jedem Menschen passieren: Man gerät in einen Zustand, in dem die Fähigkeiten, Entscheidungen zu treffen, Einsichten zu gewinnen und mit anderen in Kontakt zu treten, nachlassen. Für eine solche Situation werden in der Patientenverfügung Festlegungen bezüglich der medizinischen Maßnahmen getroffen, die durchgeführt oder unterlassen werden sollen.

Soll eine künstliche Ernährung stattfinden? Sollen auch Medikamente mit bewusstseinsdämpfender Wirkung zur Schmerz- und Symptombehandlung eingesetzt werden oder nicht? Sollen Versuche zur Wiederbelebung unternommen werden, wenn man sich bereits in einem unaufhaltsamen Sterbeprozess befindet? Nicht weniger als diese Entscheidungen können in einer Patientenverfügung erfasst werden. Auch Regelungen bezüglich der Sterbebegleitung und einer eventuellen Organspende können festgehalten werden.

Was eine Patientenverfügung nicht regelt ist, welche Personen gegebenenfalls Entscheidungen für den Patienten treffen sollen und wer dafür Sorge tragen soll, dass der Wille des Patienten umgesetzt wird. Deshalb ist es sinnvoll, eine Patientenverfügung durch eine Vorsorgevollmacht und eine Betreuungsverfügung zu ergänzen, in der die Betreuung durch einen selbst gewählten Betreuer oder eine Betreuerin festgelegt wird.

Das Recht auf Selbstbestimmung ist eines der wichtigsten Patientenrechte. Doch damit dieses Geltung finden kann, auch wenn man selbst nicht mehr in der Lage ist, sich zu äußern, braucht es die im Voraus erstellte Vollmacht und Verfügung. Bei der Patientenverfügung geht es also um die Wahrung der eigenen Interessen auch im äußersten Fall.

Nähere Informationen zu Betreuungs- und Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz finden Sie hier.

Muster für Formulare und beispielhafte Textbausteine sind hier zu finden.

Testament und Erbvertrag: Das Erbe regeln

Das zweite große Thema neben der Sicherung der eigenen Interessen während des Sterbeprozesses ist die letztwillige Verfügung. Natürlich muss niemand ein Testament aufsetzen. Doch wenn die individuellen Wünsche von der gesetzlichen Erbfolge abweichen, können diese nur durch ein Testament oder einen Erbvertrag umgesetzt werden.

Wurden vom Erblasser weder Testament noch Erbvertrag hinterlassen, tritt im Erbfall die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Doch diese ist nicht immer sinnvoll. Sie sieht vor, dass der Ehepartner die Hälfte des Vermögens erhält, während die andere Hälfte zu jeweils gleichen Teilen an die Kinder geht. Dadurch kann es passieren, dass beispielsweise die Ehefrau des Verstorbenen eine gemeinsam erworbene Immobilie verkaufen muss, um die Kinder auszuzahlen.

Seniorin gibt Junge ein Miniaturhaus Sinnbild für Erbe

Wer den Ehegatten zum Alleinerben machen möchte, wer die Kinder nicht gleichberechtigt berücksichtigen will, beispielsweise weil eines schon zuvor Geldbeträge erhalten hat, oder wer nichtverwandte Personen mit einbeziehen möchte, der muss ein Testament aufsetzen. An einen gewissen Pflichtteil vom Nachlass für Kinder und Ehepartner muss sich laut Erbrecht jedoch jeder halten.

Weitere Möglichkeiten, seinen letzten Willen festzuschreiben, bieten sich durch ein Ehegattentestament oder in einem Erbvertrag. Letzterer eignet sich, wenn man den erbenden Personen eine gesicherte rechtliche Position geben möchte. Bei einem Testament hat der Bedachte kaum eine rechtliche Handhabe, um beispielsweise einen Widerruf des Testaments zu verhindern. Das Ehegattentestament bezieht sich auf gemeinsame Vermögenswerte. Es sichert die Interessen des Erstversterbenden auch nach seinem Tod.

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